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Radiophonie, Störung und Erkenntnis. Zur Epistemologie der Radiokunst am Beispiel der Katastrophenhörspiele von Andreas Ammer und FM Einheit.
Project funded by own resources
Project title Radiophonie, Störung und Erkenntnis. Zur Epistemologie der Radiokunst am Beispiel der Katastrophenhörspiele von Andreas Ammer und FM Einheit.
Principal Investigator(s) Schweighauser, Philipp
Mauruschat, Anja
Organisation / Research unit Departement Sprach- und Literaturwissenschaften / Amerikanistik (Schweighauser)
Project start 29.10.2015
Probable end 31.12.2022
Status Completed
Abstract

Die besonders geräuschreichen drei Katastrophenhörspiele von Andreas Ammer und FM Einheit stehen in einem auffälligen Kontrast zur überwiegend besonders geräuscharmen Hörspielgeschichte. Dies kann vor allem auf den Wandel des Mediums Radio im Digitalzeitalter zurückgeführt werden, der an ihnen exemplarisch untersucht wird, da in jedem der drei Hörspiele die Störgeräusche die Aufmerksamkeit auf einen anderen zentralen Aspekt des Übergangs vom analogen zum digitalen Radio lenken: In Apocalypse Live (1994) auf den Wandel des Hörspielstudios als exklusivem Produktionsmittel und einstigem Monopol der Rundfunkanstalten, in Deutsche Krieger I – III (1995/97) auf die analogen und digitalen Maschinen und den Wandel ihrer ästhetischen Verfahren und in Crashing Aeroplanes (2001) auf die elektrifizierte Stimme als „archimedischer Punkt des Hörspiels“ (Kippert) und Mensch/Maschine-Schnittstelle. Die Kategorie der ‚Störung’ ist dabei vierfach von Bedeutung: Die ‚Störung’ als Rauschen und Geräusch, die Katastrophe als ‚Störung’ einer etablierten Ordnung, die Katastrophe als ästhetische Kategorie des Erhabenen und die Digitaltechnologie als ‚Störung’ des analogen Radios. Die Forschungsfrage des Projektes lautet: Welche ästhetischen, semantischen und epistemologischen Bedeutungen haben diese ‚Störungen’?

Die forschungsleitende Hypothese lautet: Das Werk von Andreas Ammer und FM Einheit stellt per se eine ‚Störung’ dar. Nach dem sog. ‚Neuen Hörspiel’ seit 1965 markiert es einen weiteren, noch tiefergehenden Bruch mit der Tradition des realistisch-literarischen Hörspiels. Es ist dessen Überwindung und zugleich die Einlösung einer ‚absoluten Radiokunst’, wie sie von Kurt Weill bereits 1925 konzipiert wurde. Dieses zeitgemäße Beispiel für ‚absoluten Radiokunst’ ertönt jedoch just in dem Moment, als das Radio in seiner traditionellen Form verschwindet und mit ihm im Zuge der Digitalisierung auch seine charakteristischen Geräusche zum Verstummen gebracht werden. Folgt man der Philosophie der Störung von Michel Serres und seiner These, dass „noise always remains part of the equation“ (Philipp Schweighauser), dass also das Rauschen immer Teil der Gleichung bleibt, kann die von Andreas Ammer und FM Einheit künstlerisch mittels Störgeräuschen ausgestellte Materialität der akustischen Medien der Radiogeschichte als Reaktion auf den vermeintlichen technologischen Fortschritt verstanden werden. Dies lässt sich eindrücklich am Beispiel der Katastrophenhörspiele des Künstlerduos aufzeigen.

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25/05/2024