Die Neugestaltung des ’jüdischen Humors’ im Deutschland der Nachkriegszeit. Ephraim Kishon und sein Übersetzer Friedrich Torberg.
Project funded by own resources
Project title Die Neugestaltung des ’jüdischen Humors’ im Deutschland der Nachkriegszeit. Ephraim Kishon und sein Übersetzer Friedrich Torberg.
Principal Investigator(s) Bodenheimer, Alfred
Organisation / Research unit Zentrum für Jüdische Studien,
Zentrum für Jüdische Studien / Religionsgeschichte und Literatur des Judentums (Bodenheimer)
Project start 01.09.2017
Probable end 31.08.2020
Status Active
Abstract

In den 1960er bis 1990er Jahren reagierte das nichtjüdische Publikum in der BRD mit Begeisterung auf
Kulturproduktionen zum Thema ‚jüdischer Humor‘. Eine besondere Rolle kommt dabei dem aus Ungarn
stammenden israelischen Autor Ephraim Kishon zu, dessen Humoresken in der BRD eine unübertroffene
Popularität erlangten. Von der Gesamtauflage seiner Bücher, die auf 43 Millionen geschätzt wird, sind 33
Millionen in der BRD erschienen.1 Kishon prägte so lange Zeit das westdeutsche Nachkriegsbild von Juden,
Jüdinnen und von Israel. Neben der besonderen Situation der Rezeption seiner Texte in der postnationalsozialistischen
westdeutschen Gesellschaft beruht Kishons Popularität massgeblich auf der Arbeit seines
österreichischen jüdischen Übersetzers Friedrich Torberg, der als Mentor und Mittler Kishons im
deutschsprachigen Raum fungierte.
Um die Neudefinition des ‚jüdischen Humors‘ durch Kishon und Torberg zu bestimmen, untersucht das hier
vorgelegte Projekt zum einen den spezifischen Beitrag von Torberg zu Kishons ‚israelischer‘ Variante des
‚jüdischen Humors’. Torberg nutzte die englischen Übersetzungen von Kishons ursprünglich hebräisch
verfassten Texten als Vorlage. Um Torbergs Anteil an der deutschen Version genauer zu bestimmen, wird die
englische Übersetzung mit dessen relativ freien Übertragungen ins Deutsche verglichen. Ziel ist zunächst, das
spezifische Subversionspotenzial herauszuarbeiten, das sich durch Torbergs Übertragungen im deutschen
Nachkriegskontext ergibt. Auch der (literarische) Umgang der beiden Autoren mit ihrer eigenen Verfolgungsund
Vertreibungserfahrung in der NS-Zeit wird hier einbezogen. Die Konzeption des ‚jüdischen
Humors‘ zwischen europäischer Wiener Tradition und israelischer Erneuerung soll anhand der Trenn- und
Verbindungslinien der sprachlichen Übertragung beschrieben werden. Darüber hinaus wird mit einem
rezeptionstheoretischen Fokus untersucht, welche Entlastungsangebote die Texte für die deutschen Leser/innen
aufweisen. Dabei findet das Modell des idealen impliziten Lesers (Wolfgang Iser) Anwendung.
In einem zweiten Schritt ist der Erwartungshorizont (Hans Robert Jauß) der westdeutschen Nachkriegs-
Interpretationsgemeinschaft im Kontext von ‚Vergangenheitsbewältigung‘ und ‚Schuldabwehr‘ zu
rekonstruieren. Hier sollen Gründe identifiziert werden, warum der ‚jüdische Humor‘ in der Version von
Kishon und Torberg in der BRD diese ungeheure Popularität erlangte und welche Funktionen er im Kontext
der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, der Entwicklung des ‚deutschjüdischen‘
Verhältnisses nach 1945 und der deutschen Haltung zu Israel hatte.

Financed by Other funds
   

MCSS v5.8 PRO. 0.424 sec, queries - 0.000 sec ©Universität Basel  |  Impressum   |    
12/08/2020