"Schriftautorität". Im Anschluss an den Bericht "Schriftverständnis und Schriftgebrauch" des "Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen" (1998)
Third-party funded project
Project title "Schriftautorität". Im Anschluss an den Bericht "Schriftverständnis und Schriftgebrauch" des "Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen" (1998)
Principal Investigator(s) Bernhardt, Reinhold
Organisation / Research unit Fachbereich Theologie / Systematische Theologie, Dogmatik (Bernhardt)
Project start 01.04.2017
Probable end 31.07.2019
Status Active
Abstract

Das Forschungsvorhaben untersucht die normative Bedeutung der Heiligen Schrift für die Theologie anhand des Begriffs der Schriftautorität aus einer konfessionsvergleichenden Perspektive. Die im biblischen Kanon als Heilige Schrift zusammengefassten Schriften sind nach theologischem Verständnis zugleich Fundament und kritischer Massstab aller kirchlichen und theologischen Lehrbildung.
Während evangelische Theologie im Gefolge der Reformation zu einer Betonung dieser Heiligen Schrift als alleiniger Erkenntnisquelle gelangt ist (sola scriptura), spricht katholische Theologie demgegenüber von Schrift und Tradition als theologischen
Erkenntnisquellen. Die weitreichenden Übereinstimmungen, zu denen beide Ausprägungen theologischer Erkenntnislehre inzwischen gefunden haben, werden von dem „Abschließenden Bericht“ Schriftverständnis und Schriftgebrauch des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK) aus dem Jahre 1998 dokumentiert. Dazu zählen eine Zurückweisung einer rein formalen Schriftautorität, welche sich abseits von deren Inhalt aufrechterhalten liesse, ein in neuer Klarheit entfaltetes Traditionsverständnis und weitreichende Bemerkungen zur kritischen Funktion der Schrift auch gegenüber lehramtlicher Autorität.
Erstaunlicherweise wird dieser in einem mehrjährigen Prozess erarbeitete ökumenische Konsens von Seiten der akademischen Theologie beider Konfessionen nur selten rezipiert.
Das Erkenntnisinteresse des Forschungsvorhabens besteht einerseits darin, den Inhalt des Berichts einer genauen Rekonstruktion zu unterziehen und dabei herauszuarbeiten, wie die daran beteiligten Theologen ihre jeweiligen Auffassungen von Schriftlehre, Schriftautorität und Schriftauslegung in den Bericht eingebracht haben.
Andererseits wird erstmals untersucht, welchen Niederschlag der vom ÖAK formulierte Konsens in der ihm nachfolgenden dogmatischen Lehrbildung beider Konfessionen gefunden hat. Als Materialgrundlage dienen daher neben den Werken der
ÖAK-Theologen auch neuere dogmatische Entwürfe von evangelischen und katholischen Theologen. Die systematisch-theologische Analyse dieser Entwürfe mündet schliesslich in eigene Überlegungen zur ökumenisch sensiblen Bestimmung der Schriftautorität mit evangelischem Profil.
Der Begriff Autorität (lat. auctoritas) empfiehlt sich besonders als Leitbegriff der Schriftlehre, weil er zum einen auf die Autorenschaft eines historischen Dokuments bezogen werden kann und zum anderen mit seinem Bedeutungsspektrum Ansehen, Einfluss, Geltung, Würde auf dessen normative Bedeutung hinweist. Die dreifache Leitfrage des Projekts lautet: Welche Annäherungen bzgl. des Verständnisses von Schrift und Tradition hat der ÖAK 1998 erzielt, welche Differenzen bleiben (mit welcher Begründung) bestehen und welche normative Geltung (Autorität) kann die Theologie der Heiligen Schrift auf dieser Grundlage heute einräumen?

Financed by Swiss National Science Foundation (SNSF)
   

MCSS v5.8 PRO. 1.010 sec, 5056 queries - 1.524 sec ©Universität Basel  |  Impressum   |    
18/01/2018