Vollkommenheit ohne Unveränderlichkeit? Erkundungen zur Lehre von Gottes Eigenschaften
Third-party funded project
Project title Vollkommenheit ohne Unveränderlichkeit? Erkundungen zur Lehre von Gottes Eigenschaften
Principal Investigator(s) Bernhardt, Reinhold
Organisation / Research unit Fachbereich Theologie / Systematische Theologie, Dogmatik (Bernhardt)
Project start 01.02.2018
Probable end 31.01.2021
Status Active
Abstract

Vor dem Hintergrund des anhaltenden wissenschaftlichen und öffentlichen Interesses an der Stellung von Religion(en) in modernen Gesellschaften soll exemplarisch untersucht werden, wie in Texten christlich-religiöser Selbstbeschreibung das Thema menschlicher Rede von Gott bearbeitet wird. Methodisch leitend ist dabei die kritisch-realistische Unterscheidung zwischen dem Begriff Gottes und Gott selbst (Dalferth 1997). Der Fokus liegt auf dem Begriff der Unveränderlichkeit Gottes und dem klassischen Topos von den „Eigenschaften“ Gottes. Das Projekt bewegt sich an der Schnittstelle von systematischer Theologie und neuzeitlicher Theologiegeschichte.

Die Vorstellung von Gottes Unveränderlichkeit wird bis heute oft in Verbindung gebracht mit dem Einfluss griechisch-philosophischen Denkens, das die besondere Dynamik des biblischen Gottesbegriffs zurückgedrängt habe. Erst eine breite theologische Neuorientierung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts habe zur Wiedergewinnung der Lebendigkeit der christlichen Rede von Gott und Gottes Geschichtlichkeit geführt. Doch die Behauptung, dass die Probleme der philosophischen Einflüsse auf den christlichen Gottesbegriff erst in den letzten 60 Jahren ins Bewusstsein der wissenschaftlichen Theologie gerückt sind, bedarf ihrerseits der Korrektur. Mehrere Entwürfe protestantischer Theologen des 19. Jahrhundert offenbaren genau an diesem Punkt bereits ein hohes systematisches Problembewusstsein, das weitgehend unbekannt ist und den heutigen theologischen Diskurs nachdrücklich befruchten kann.

Der Ausgangspunkt des Projekts ist die Neugestaltung der Lehre von Gottes Eigenschaften durch Friedrich Schleiermacher, den „Kirchenvater des 19. Jahrhunderts“ (Chr. Lülmann). Danach diskutieren wir die Gotteslehre des „kenotischen“ Theologen Gottfried Thomasius im Vergleich mit dem Entwurf von Isaak August Dorner, der sich kritisch auf Thomasius bezieht. Im dritten Hauptteil wird der Neuansatz der Lehre von den Eigenschaften Gottes bei Hermann Cremer dargestellt. Viertens wird zum Vergleich der philosophische Gottesbegriff Charles Hartshornes analysiert. Abschließend wird das Ergebnis zusammengefasst und im kritischen Gespräch mit neueren prozesstheologischen Arbeiten (Thomas J. Oord, Catherine Keller) eine eigene Position formuliert, die zur Überwindung der Alternativen Unveränderlichkeit vs. Veränderlichkeit Gottes und natürliche Theologie vs. biblische Theologie beitragen soll.

Financed by Swiss National Science Foundation (SNSF)
   

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12/08/2020