Dissertation Bentley: Grenzgängerinnen und Grenzgänger. Berner Selbstzeugnisse um 1700
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Project title Dissertation Bentley: Grenzgängerinnen und Grenzgänger. Berner Selbstzeugnisse um 1700
Principal Investigator(s) Von Greyerz, Kaspar
Project Members Bentley, Kirstin
Organisation / Research unit Departement Geschichte
Project start 01.01.2013
Probable end 07.02.2017
Status Completed
Abstract

Selbstzeugnisse eignen sich deshalb gut für die historische Erforschung personaler und kollektiver Identitäten, weil die Verfasser/innen Auskunft über sich und ihre Selbstwahrnehmung geben, gleichzeitig aber auch äussere Faktoren in das Geschriebene einfliessen lassen. So wird das Selbstzeugnis und damit der Mensch zum Schnittpunkt von Diskursen, Prozessen und Strukturen, wobei dieser in ihnen handelt und sie durch dieses Handeln auch verändert. Selbstzeugnisse erscheinen so als Selbstkonstruktion einer kulturell geprägten Vorstellung von der eigenen Person.

Grundsätzlich, neben der Klärung des Begriffs der Identität, wird anhand der Selbstzeugnisse versucht, herauszuarbeiten, wie die Selbstzeugnisverfasser/innen sich selbst wahrnahmen, darstellten und ihre (konfessionelle) Identität konstruierten. Zugleich wird aber das Verhältnis zwischen personaler Identität und kollektiven Identitäten erforscht, denn kollektive Identitäten bewirken nicht nur die Stiftung eines Zusammengehörigkeitsgefühls, sondern sind auch normbildend – Identität ist nicht zuletzt sozial. Dabei werden neben der Konfession auch kollektive Identitäten wie Familie, Stand, Beruf oder Geschlecht usw. mit einbezogen, sowie Leitvorstellungen, Normen und Diskurse. Untersucht wird zuletzt auch der Stellenwert der Alterität, denn Identitäten, kollektiv oder personal, bringen immer auch Alteritätskonstruktionen mit sich. So soll erforscht werden, ob und wie in den Selbstzeugnissen Identitäten in Abgrenzung zu Alteritäten – besonders konfessionellen – geschaffen werden und wie mit "Grenzüberschreitungen" umgegangen wird.

Aus der neueren Konfessionalisierungsforschung stammt das Paradigma der konfessionellen Identitäten, die sich im Laufe der Ausbildung der einzelnen Konfessionen ausgebildet und gefestigt haben. In diesem Zusammenhang wird allgemein zu fragen sein, ob sich im 17. Jahrhundert, sowohl innerhalb der personalen und kollektiven Identitäten selbst, als auch in ihrer Beziehung Wandlungen vollzogen haben, inwiefern es Kontinuitäten als auch Diskontinuitäten gab. Zudem wird immer die Frage nach dem Verhältnis von Materialität und Diskursivität zu stellen sein: wie verzahnt sich individuelle historische Erfahrung mit den normativen Diskursen kollektiver Identitäten? Dabei wird stetig der Vergleich mitzudenken sein: bilden sich katholische und protestantische Identitäten anders und unabhängig voneinander aus, oder geschieht dies durch ständige Reibung am jeweils konfessionell Anderen und mittels Fremdzuschreibung? Nehmen Katholiken und Protestanten sich selbst konfessionsbedingt anders wahr? Schreiben sie gar auf andere Weise über sich selbst?

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15/12/2018