Literarische Kleinformen als Aspekt einer politischen Erzähltheorie. Zur Annäherung von Gerüchtekommunikation und anekdotischem Erzählen in Literatur und Publizistik um 1800 (Dissertation Liese)
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Project title Literarische Kleinformen als Aspekt einer politischen Erzähltheorie. Zur Annäherung von Gerüchtekommunikation und anekdotischem Erzählen in Literatur und Publizistik um 1800 (Dissertation Liese)
Principal Investigator(s) Gess, Nicola
Project Members Liese, Lea
Organisation / Research unit Departement Sprach- und Literaturwissenschaften / Neuere deutsche Literaturwissenschaft (Gess)
Project start 01.09.2016
Probable end 31.08.2020
Status Active
Abstract

Vor dem historischen Hintergrund der napoleonischen Kriege und politischer Romantik beeinflussen sich Gerüchtekommunikation und anekdotisches Erzählen wechselseitig. Dichter und Publizisten im Kreis der sogenannten Befreiungskrieger, insbesondere Kleist und Arnim, verhelfen dem Gerüchthaften in Publizistik und Literatur zur soziopoetischen Relevanz. Sie bedienen damit zum einen das um 1800 zunehmend an Popularität gewinnende Phänomen des Sensationsjournalismus, zum anderen machen sie das handlungsdynamisierende Moment einer krisengesteuerten Nachrichtenpropaganda literarisch fruchtbar.

Ausgehend von Koschorkes erzähltheoretischem Begriff der "Macht der anekdotischen Evidenz" begreift das Projekt anekdotisches Erzählen und Gerüchtekommunikation als Medien sozialer Poetiken/Dynamiken. Unter diesem Zeichen sollen romantische Geselligkeitsutopien in literarischen und politischen Schriften gleichermaßen hinterfragt werden wie die orale Performance und Rezeption vermeintlich harmloser literarischer Kleinformen in geselligen Vereinigungen um 1800. Denn wenn patriotisch ausgerichtete Turn- und Jagdvereine und Arnims "Deutsche Tischgesellschaft" die frankophil und jüdisch geprägte Salonkultur ablösen, wandeln sich literarische Praktiken und Gesprächskonventionen zu politischen Faktoren in einer krisengesteuerten – und mediensoziologischen Umbruchszeit.

Zudem will sich das Projekt nicht darauf beschränken, den verlebendigenden (persuasiven) Darstellungsmodus literarischer Kleinformen zu untersuchen, sondern beleuchtet anekdotische Evidenz ausgehend von propagandistischer Gemäldemalerei, wobei auf die geschichtsbildnerische Kraft anekdotischer Wahrheit als „gemalter Augenblick“ abgehoben werden soll. So lässt sich etwa am Beispiel der Napoleon-Rezeption exemplarisch die Anekdotenförmigkeit historischen Wissens aufzeigen – sowie das Potenzial der Anekdote als Gegengeschichte vorherrschende Meinungen subversiv zu dekonstruieren.

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14/11/2018