Dissertation Zürcher: Biosozialität unter Lebensgefahr. Die schweizerische Schwulenbewegung im Zeitalter von HIV⁄Aids (1980–2000)
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Project title Dissertation Zürcher: Biosozialität unter Lebensgefahr. Die schweizerische Schwulenbewegung im Zeitalter von HIV⁄Aids (1980–2000)
Principal Investigator(s) Lengwiler, Martin
Co-Investigator(s) Bänziger, Peter-Paul
Project Members Zürcher, Daniel
Organisation / Research unit Departement Geschichte / Neuere Allgemeine Geschichte (Lengwiler)
Project Website https://bgsh.geschichte.unibas.ch/projekte/projekt-detail/?L=0&cHash=32aed3bc5600241e42a807d12ac03d29&tx_bgshprojectsext_projects%5Baction%5D=show&tx_bgshprojectsext_projects%5Bcontroller%5D=Project&tx_bgshprojectsext_projects%5Bproject%5D=95
Project start 01.08.2014
Probable end 31.12.2020
Status Active
Abstract

Der Übergang vom Old Public Health zum New Public Health markiert einen fundamentalen Umbruch im öffentlichen Gesundheitswesen des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Dieser Umbruch ist Teil einer umfassenden Transformation moderner Sozialstaatlichkeit zu stärker ökonomisierten, selbstregulierten Systemen, in denen den Subjekten eine erhöhte präventive Verantwortung zugewiesen wird. Das geplante Forschungsvorhaben geht am Beispiel der schweizerischen Schwulenbewegung im Kontext von HIV/Aids der Frage nach, wie sich diese sozialstaatlichen Transformation auf die Neuen Sozialen Bewegungen ausgewirkt haben. Die noch kaum bekannten gesellschaftlichen Implikationen des New Public Health werden mittels akteurs- und subjektzentrierten Ansätzen untersucht. Dabei wird insbesondere das Konzept der „Biosozialität“ (Paul Rabinow) genutzt, um die biomedizinisch geprägten Vergesellschaftungs- und Subjektivierungsformen einer gay community nachzuzeichnen, die sich bis Ende der 1990er Jahre lebensbedrohlichen Risiken ausgesetzt sah.

Das Fallbeispiel der Schwulenbewegung im Kontext von HIV/Aids ist deshalb relevant, weil sich auf diesem Feld Deutungen von Betroffenen, medizinische Forschung und Gesundheitspolitik dynamisch entwickelten und verschränkten. Nach einer dramatischen Anfangsphase, in der mit einem exponentiellen Anstieg der Todesfälle gerechnet wurde und die Betroffenen vor allem Trauerarbeit leisteten, kamen Mitte der 1980er Jahre neuer präventive Strategien auf, was insbesondere zu einer verstärkten Zusammenarbeit von sozialen Bewegungen und staatlichen Organisationen führte. Zur gleichen Zeit setzte sich die These einer viralen Ursache durch und es setzten umfangreiche Forschungstätigkeiten auf diesem Gebiet ein. Ende der 1990er Jahre schiesslich wurde aus der tödlichen Diagnose zunehmend eine chronische Krankheit, mit vielfältigen Auswirkungen auf den Alltag und das Selbstverständnis der Betroffenen. Das Fallbeispiel eröffnet damit einen Blick auf die sozialen Auswirkungen von biomedizinischen Wissenspraktiken und und gesundheitspolitischen Ansätzen sowie auf die Mitwirkung der Betroffenen an diesen.

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14/08/2020