Die Imagination eines "helvetischen Mittelalters" zwischen Klassizismus und Historismus
Third-party funded project
Project title Die Imagination eines "helvetischen Mittelalters" zwischen Klassizismus und Historismus
Principal Investigator(s) Rüdiger, Jan
Project Members Cardenas, Livia
Organisation / Research unit Departement Geschichte / Geschichte des Mittelalters (Rüdiger)
Project start 01.11.2015
Probable end 31.10.2018
Status Active
Abstract

Das hier zur Förderung vorzuschlagende, Disziplinen übergreifende Projekt versucht, durch die Kombination historischer, kunsthistorischer sowie bild- und medienanalytischer Methoden das Paradigma der Rezeptionsgeschichte am Beispiel mittelalterlicher Sammlungsbestände, eines Personalmythologems und ihrer Rolle im ausgehenden 18. sowie des 19. Jahrhunderts weiterzuentwickeln und durch eine Projektionsgeschichte zu ergänzen. Im Zentrum der Untersuchung stehen die Sammlung helvetischer mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Glasmalerei des Dessau-Anhaltinischen Fürsten Franz (1740-1817), die Privatisierungsgeschichte des Basler Münsterschatzes sowie ein in die Frühzeit der Eidgenossenschaft projizierter, mythisierter Nationalheros, Arnold Winkelried. Anhand dieser Themenfelder sollen widersprüchliche Projektionsinteressen gegenüber dem Mittelalter bzw. einem als Mittelalter apostrophierten Segment der Vor- und Frühmoderne herausgearbeitet werden. Die Untersuchung geht von der Fragestellung aus, ob sich insbesondere an der Imagination eines „helvetischen Mittelalters“ sowohl Anziehungs- wie Abstossungsmotive rekonstruieren lassen. Gibt es also ein willentliches „Vergessen“ (Verdrängen) von „helvetischen Altertümern“ durch die Schweizer des 18. und 19. Jahrhunderts? Und suchten diese damit den Weg in die nationale Moderne? Oder sind es umgekehrt regionale Sonderinteressen und Konflikte, die Möglichkeiten der Trennung von solchen Kulturgütern und der mit ihnen verbundenen Traditionssymboliken eröffneten? Umgekehrt ist zu fragen, ob regionale und dynastische Sonderinteressen des borussischen Kulturraumes sich mit Hilfe der als „helvetisch mittelalterlich“ gedachten Artefakte gegenüber den ausgreifenden preussischen Grossmachtansprüchen zu behaupten versuchten. Zu fragen ist aber auch, welche inneren Spannungen oder dynastischen Konflikte und Konkurrenzen Sammlungsinteressen auslösten.Die spezifische Ambivalenz des „helvetischen Mittelalters“ verkörpert dabei die mythische Gestalt des Arnold Winkelried, die einerseits als genuine Erfindung und damit als reine Imagination zu begreifen ist, andererseits eben dadurch in allen Projektionskontexten verfügbar zu sein schien. So verkörpert sie im „borussischen Kulturraum“ ursprüngliche „mittelalterliche Freiheit“, während sie helvetisch als Figuration nationaler Moderne fussend auf einer (imaginierten) Kontinuität der Geschichte erscheint. Auf spannungsreiche Weise verbindet sich so ein europäischer Blick auf das „helvetische Mittelalter“ mit einer widerständigen Projektion der Regionen gegenüber transregionalen Vereinnahmungen. Wegleitend für die Untersuchung erweist sich dabei Jacob Burckhardts Blick auf die Rolle der „privaten Sammlungen“ im Kontext der Frühgeschichte des modernen Sammlungswesens, in denen sich nach Burckhardt ästhetische und historische Interessen mit materiellen und wissenschaftlichen Befunden verbinden und somit imaginäre Projektionen scheinbar objektivieren.

Financed by Swiss National Science Foundation (SNSF)

Cooperations ()

  ID Kreditinhaber Kooperationspartner Institution Laufzeit - von Laufzeit - bis
3346565  Hochstrasser, Olivia  Holenstein, Andre, Professor für Schweizer Geschichte  Universität Bern  01.01.2015  30.09.2018 
   

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22/10/2018