Amulettrollen als Schutzmittel der Eliten: Eine Untersuchung zur Bedeutung magischer Vorstellungen im Bereich des Islams
Third-party funded project
Project title Amulettrollen als Schutzmittel der Eliten: Eine Untersuchung zur Bedeutung magischer Vorstellungen im Bereich des Islams
Principal Investigator(s) Reinkowski, Maurus
Project Members Nünlist, Tobias
Organisation / Research unit Departement Gesellschaftswissenschaften / Islamwissenschaft (Reinkowski)
Project Website http://nahoststudien.unibas.ch/forschung/laufende-projekte/amulettrollen/
Project start 01.10.2013
Probable end 30.09.2016
Status Completed
Abstract

Aus dem Bereich des Islams sind Schutzmittel in grosser Zahl bekannt, mit denen sich das Indivi­duum gegen allerhand Widrigkeiten vorsieht. Neben Amuletten im weitesten Sinn zählen dazu auch Schmuckstücke; sie haben häufig apotropäische Funktion. Die bisherige Forschung hat sich oft mit einfachen Schutzmitteln befasst, deren Erwerb sich breite Kreise leisten konnten. Es lassen sich aber auch Schutzgegenstände nachweisen, bei deren Herstellung ein sehr hoher Aufwand betrieben wur­de und die für die Eliten bestimmt waren.

 

Im Zentrum des Projekts stehen ungefähr 90 qualitativ hochwertige Amulettrollen auf Papier oder Pergament aus zumeist westlichen Institutionen. Sie sind zwischen dem 14. und 19. Jh. entstanden, wenige Zentimeter breit und bis zu 16 m lang. Die Rollen werden vorläufig nach regional-sprachli­chen Kriterien in drei Typen eingeteilt. Es wird zwischen einem arabischen, persischen und osma­nisch-türkischen Typ unterschieden. Drei wichtige Belegstücke dazu stammen aus Schweizer Insti­tutionen. Wissenschaftliche Arbeiten zu diesen Dokumenten von hoher Qualität fehlen.

 

Das vorliegende Projekt schliesst diese Forschungslücke. Es nimmt einerseits eine Bestandeserhe­bung vor, die mit einer kodikologischen, kunsthistorischen und inhaltlichen Beschreibung verbun­den ist (1). Die Studie wertet diese Ergebnisse anderseits in analytischen Kapiteln aus. Sie untersucht in einem ersten Schritt das auf den Dokumenten verwendete Schutzvokabular und setzt es mit Dar­stellungen aus der magischen Literatur in arabischer und persischer Sprache in Beziehung (2a). An­schliessend zeigt sie auf, dass sich die apotropäische Wirkung der Amulettrollen aus einer bewussten Kombination von Text- und Bildelementen ergibt (Multimedialität). Dabei wird auf in Untersuchun­gen zu visible religion und material religion entwickelte methodologische Ansätze zurückgegriffen (2b). Die Arbeit befasst sich drittens mit der Funktion dieser Rollen als Schutzmittel der Eliten und be­leuchtet die Bedeutung magischer Auffassungen in islamisch geprägten Gesellschaften. Die entspre­chenden Vorstellungen beschränken sich nicht auf untere soziale Schichten, wie bisherige For­schungsergebnisse allenfalls implizieren. Vielmehr beweist allein die Existenz dieser Rollen, dass sich auch Angehörige der Eliten damit schützten (2c).

 

Trotz ihrer Fokussierung auf frühe Quellen lassen sich aus der Studie wichtige Erkenntnisse zur aktuellen Stellung der Magie im Bereich des Islams ableiten.

Keywords Islam, amulet, scroll, magic, manuscript
Financed by Swiss National Science Foundation (SNSF)
   

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16/01/2018