Zitat des Anderen - Hybride Texte zwischen Wissenschaft und Literatur bei Roger Caillois und Elias Canetti
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Project title Zitat des Anderen - Hybride Texte zwischen Wissenschaft und Literatur bei Roger Caillois und Elias Canetti
Principal Investigator(s) Heyne, Maria Elisabeth
Project Members Heyne, Maria Elisabeth
Organisation / Research unit Departement Sprach- und Literaturwissenschaften / Neuere deutsche Literaturwissenschaft (Gess)
Project start 01.10.2013
Probable end 30.09.2016
Status Completed
Abstract

Vor dem Hintergrund des sich selbst als ausdifferenziert beschreibenden Wissenschaftssystems des 20. Jahrhunderts untersucht das Promotionsprojekt ‚hybride‘ Texte der 1930er bis 1960er Jahre, die sich nicht eindeutig als literarische oder disziplinäre wissenschaftliche Textformen klassifizieren lassen. Als Gegenbewegung zu verfestigten und damit erfolgversprechenden Methoden und textuellen Verfahren des wissenschaftlichen Arbeitens und der literarischen Praxis entstehen in dieser Zeit Werke, in denen Wissenschaft und Fiktion sich formal vermengen und in der das Imaginäre in den Fakt einfällt. Ebendeshalb ist z.B. Elias Canettis 1960 erschienener Text Masse und Macht laut Adorno ein „Skandalon“ innerhalb des abendländischen Denkens. Ganz explizit fordert zur selben Zeit der französische Schriftsteller und Soziologe Roger Caillois eine „science diagonale“, eine diagonal verfahrende Wissenschaft ohne Disziplingrenzen. In ihrer Suche nach den „démarches disparates d’une économie profonde dont le principe, cependant, demeure partout identique à lui-même“ (Caillois), um auf diese Weise eine „imaginäre Wissenschaft“ oder „Wissenschaft des Imaginären“ zu entwickeln, sind beide Autoren unmittelbar aneinander anschließbar. Durch Zitatmontagen aus Ethnologie, Mythologie, Soziologie, Biologie u.a., die narrativ und/oder fiktionalisierend umgesetzt werden, wiederholt sich die Verschränkung von Literatur und Wissenschaft zugleich auf der Ebene des discours und in der Materialität der Texte. So entwickeln die Texte durch ihre hybriden, transdisziplinären Verfahren der Zitation alternative Poetiken und alternative Begriffe von Literatur, die nicht auf den Menschen zentriert bleiben, sondern auch das pflanzliche, tierische, anorganische oder kulturelle „Andere“ in den Blick nehmen. Die narrative Produktion alternativer Kultur- und Literaturmodelle gilt es in ihrer Koppelung an die spezifisch wissenschaftlich fiktionalisierenden Verfahren der Texte produktiv nicht nur im Hinblick auf die von ihnen geübte Wissenschafts- und Literaturkritik anzuwenden, sondern diese auch selbst für die Literatur- und Kulturtheorie zu erschließen.

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11/12/2018