Die Medikation von älteren Gefangenen: Eine detaillierte Analyse in den Einrichtungen des Freiheitsentzuges in der Schweiz
Third-party funded project
Project title Die Medikation von älteren Gefangenen: Eine detaillierte Analyse in den Einrichtungen des Freiheitsentzuges in der Schweiz
Principal Investigator(s) Bretschneider, Wiebke
Co-Investigator(s) Elger, Bernice Simone
Handtke, Violet Fleur
Wangmo, Tenzin
Project Members Annaheim, Beatrice
Organisation / Research unit Ethik / Bio- und Medizinethik (Elger)
Project start 01.08.2013
Probable end 31.07.2016
Status Completed
Abstract

Die Überalterung der Bevölkerung weltweit ist ein gesellschaftliches Problem, welches nicht nur anhand der Altersstruktur in Bevölkerungspyramiden sichtbar wird. Die weitreichenden strukturellen Veränderungen spiegeln sich auch in gesellschaftlichen Gruppen wieder, die nicht im Mittelpunkt unseres täglichen Lebens stehen. Die Rede ist von Inhaftierten, die beispielsweise eine mehrjährige oder lebenslange Haftstrafe verbüssen müssen oder erst in fortgeschrittenem Alter straffällig geworden sind und so einen Teil ihrer letzten Lebensjahrzehnte oder sogar ihren Lebensabend im Gefängnis verbringen müssen. Die gesundheitlichen Folgen, die durch teilweise jahrelange schwierige Lebensumstände wie beispielsweise Drogenabhängigkeit, Obdachlosigkeit, fehlendem Zugang zu medizinischer Versorgung, ausgelöst bzw. verstärkt werden können, werden mit steigendem Alter zunehmen. Um eine angemessene medizinische Versorgung älterer Gefängnisinsassen zu gewährleisten, wird der Aufbau neuer Versorgungseinheiten oder spezielle Altersabteilungen nötig sein.

Bisher gibt es nur wenige Studien, die sich mit der medikamentösen Versorgung von Gefangenen, insbesondere älteren Gefangenen, beschäftigt haben. Ziel dieses Zusatzprojektes ist es Daten in einem Bereich zu sammeln, in dem es bisher keinerlei Erhebungen gibt und demnach auch keine Beurteilungsgrundlage für die Verschreibungspraxis in den Einrichtungen des Schweizer Freiheitsentzuges vorhanden ist. Mit einer ersten Bestandsaufnahme in diesem Forschungsbereich werden neue Erkenntnisse gesammelt, die die Aufmerksamkeit auf diesen Teilbereich der Gesundheitsversorgung von älteren Gefangenen in der Schweiz lenken. Aus diesem Grund soll im Rahmen dieses Projektes die medikamentöse Behandlung von älteren Gefangenen in Schweizer Gefängnissen analysiert werden. Des Weiteren soll die Anzahl der verschriebenen Medikamente, die Dosierung, sowie die Dauer der Verschreibung für Insassen, die älter als 50 Jahre alt sind, einer strukturierten Analyse unterzogen werden.

Wir vermuten einerseits, dass die meisten älteren Gefangenen zu viele Medikamente verschrieben bekommen und somit unter Umständen höhere Kosten entstehen als eigentlich nötig, sei es durch die Medikamente selbst oder durch die aus der Polypharmazie herrührenden Nebenwirkungen. Auf der anderen Seite besteht die Möglichkeit, dass die grösstenteils fehlende geriatrische Ausbildung des medizinischen Personals in den Haftanstalten in der Schweiz zu Fehlmedikationen und möglicherweise zu einer Unterversorgung der älteren Gefängnisinsassen führt. Aus diesem Grund kann durch unser Projekt zukünftig die Lebensqualität und die medikamentöse Versorgung der Gefängnisinsassen verbessert werden und gleichzeitig können sich langfristige Kostenersparnisse für die Haftanstalten ergeben. Diese Aspekte können sich wiederum positiv auf die Gefängnisinsassen selbst und auch auf die Allgemeinheit auswirken. Zum einen durch die verringerten Kosten während des Gefängnisaufenthaltes und zum anderen durch die reduzierte bzw. angepasste Medikamenteneinnahme nach der Entlassung. Auch im Rahmen des Resozialisierungsprozesses können sich durch eine bessere Integration und weniger Gesundheitsrisiken Vorteile ergeben.

Financed by Foundations and Associations
   

MCSS v5.8 PRO. 1.263 sec, queries - 0.000 sec ©Universität Basel  |  Impressum   |    
23/06/2018