Construire son avenir: Selbstverständnis und Laufbahnpraktiken von Jungdiplomierten in Burkina Faso und Mali
Third-party funded project
Project title Construire son avenir: Selbstverständnis und Laufbahnpraktiken von Jungdiplomierten in Burkina Faso und Mali
Principal Investigator(s) Macamo, Elisio
Co-Investigator(s) Steuer, Noemi
Project Members Perlik, Manfred
Birzle, Maike Anna
Ludwig, Susann
Engeler, Michelle
Organisation / Research unit Departement Gesellschaftswissenschaften / Afrikastudien (Macamo)
Project Website http://zasb.unibas.ch/research/research-projects/construire-son-avenir/
Project start 01.01.2013
Probable end 31.01.2017
Status Completed
Abstract

Im Jahr 2009 waren in Burkina Faso gut 35ꞌ000 Studierende und in Mali gut 77ꞌ000 Studierende an den Universitäten immatrikuliert. Die Jungdiplomierten machen prozentual zwar nur einen Bruchteil der Bevölkerung aus, doch der Bildungstitel birgt die Hoffnung des sozialen Aufstiegs und damit Teil der Elite des Landes werden zu können. Mit steigender Zahl der Absolventen finden aber nur wenige von ihnen eine ihrem Diplom entsprechende Anstellung. Die ökonomische Krise der 1980er Jahre und die damit verbundenen Strukturanpassungsprogramme markierten den Anfang der nach unten gerichteten sozialen Mobilität, die seither anhält: Persönliche Beziehungen gelten mehr als Diplome. Das Angebot an Jungdiplomierten ist höher als die Nachfrage – trotz aller Arbeitsmöglichkeiten im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit. Im Zentrum unserer Studie stehen die lebensweltlichen Erfahrungen von Diplomierten und ihre Praktiken. Praktiken und Selbstverständnis sind eng aufeinander bezogen: Das Selbstverständnis ist durch die familiäre, politische und gesellschaftliche Herkunft geprägt und prägt seinerseits die Handlungsmöglichkeiten. Das Projekt geht der Frage nach, wie die künftige Bildungselite von Burkina Faso und Mali unter den aktuellen Bedingungen an Ort mit Unsicherheiten umgeht. Dabei ist der Genderaspekt von besonderem Interesse, sind doch Frauen und Männer Ungewissheiten unterschiedlich ausgesetzt und dabei unterschiedlich handlungsfähig.

Mit dem Fokus auf Selbstverständnis und Laufbahnpraktiken von Jungdiplomierten leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag im Rahmen der Risikoforschung zu Umgang mit Ungewissheiten und der Gestaltung der Zukunft im heutigen Afrika.  Forschungsziel ist es auszuloten, welche Handlungskontexte sich Jungdiplomierte unter den Bedingungen der Unsicherheit schaffen und wie diese Kontexte Vergesellschaftungsprozesse in den jeweiligen Ländern beeinflussen. Erkenntnisse dieser Art sind von gesellschaftspolitischer Relevanz, weil sie der gängigen medialen Wahrnehmung widersprechen, die eine Jugend ohne Zukunft oftmals mit Protest, Gewalt und illegaler Migration in Zusammenhang bringt.
Erste qualitative Gespräche werden mit Jungdiplomierten mindestens ein halbes Jahr nach ihrem Master geführt und im zweiten und dritten Jahr fortgesetzt (Longitudinalstudie). Folgende Hauptfragen sollen untersucht werden:

  • Wie gestalten Jungdiplomierte ihre Laufbahnpraktiken angesichts der unsicheren Situation? Und welche Rolle spielt dabei ihr Selbstverständnis?
  • Wie manifestieren sich die eingeschlagenen Laufbahnpraktiken der Jungdiplomierten räumlich-regional?

Auf der Grundlage einer qualitativen Untersuchungsanlage sollen in vier Städten von Burkina Faso und Mali (Ouagadougou, Bobo-Dioulasso, Bamako, Sikasso) rund 250 Gespräche geführt werden. Der innovative Ansatz unseres Projektes besteht darin, dass soziale und räumliche Aspekte aufeinander bezogen werden. Die räumliche Dimension von Laufbahnpraktiken soll Aufschluss dazu geben, wie die Praktiken der Jungdiplomierten und die dadurch ausgelösten Vergesellschaftungsprozesse die Regionalentwicklung und die Urbanisierung beeinflussen. Die Forschung ist interdisziplinär angelegt (Ethnologie, Soziologie, Wirtschaftsgeographie) und kann auf mehrjähriger Forschungserfahrung in den beiden Ländern aufbauen.

Keywords Education, Mobility, Africa
Financed by Swiss National Science Foundation (SNSF)
   

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21/01/2018